Mitteilung des ASJ-Bundesvorsitzenden anläßlich des Todes von Prof. Dr. Erich Küchenhoff

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Wie erst gestern bekannt wurde ist Erich Küchenhoff, unser langjähriges Bundesvorstandsmitglied und Ehrenvorsitzender, am 23.05.2008 im Alter von 85 Jahren gestorben.

Prof. Dr. Erich Küchenhoff war ein profilierter Staatsrechtslehrer, dabei aber ein durch und durch politischer Mensch. Forschung und Lehre waren ihm als Hochschullehrer nie genug; er war engagiertes Mitglied des Düsseldorfer Landtages, stand in vorderster Front der Friedensbewegung, ließ sich bei den Demonstrationen gegen die Atomenergie von der Polizei aus dem Sitzstreik wegtragen und geißelte die Rechtsprechung zum passiven Widerstand, den der BGH als Nötigung erkannt hatte. Es setzte sich mit dem Darmstädter Signal für eine Demokratisierung der Bundeswehr ein und war in der humanistischen Union ein führender Bürgerrechtler.

Was heute viele gar nicht mehr wissen, ist, dass er sich durchaus auch außerhalb seines eigentlichen Fachs wissenschaftlich betätigte: Beispielhaft genannt sei seine Studie aus dem Jahr 1971 im Auftrag der IG Metall über Arbeitsweise und Manipulation durch die Bild-Zeitung, für die er die Berichterstattung über verschiedene Streikperioden untersuchte. Genannt sei auch seine Studie im Auftrag der Bundesministerin Katharina Focke aus dem Jahr 1975, in der er sich in einem repräsentativen Vergleich mit Rolle und Funktion der Frau im deutschen Fernsehen befasste. Natürlich hatte das alles etwas mit Grundrechten und ihrem Spannungsfeld zueinander zu tun: Koalitionsfreiheit und Streikrecht im Spannungsfeld zur Presse- und Informationsfreiheit, das Recht, gezielt falsch zu informieren. Oder die Gleichstellung und Gleichberechtigung von Mann und Frau vor und hinter der Fernsehkamera. Aber eigentlich war es Gesellschaftspolitik und nicht vordergründig der Gegenstand des Staatsrechts. Oder doch: So stellte er früh unter Beweis, dass alle Rechtspolitik letzlich Gesellschaftspolitik ist, eine Aussage, die heute zum Kernbestand des Selbstverständnisses der ASJ gehört.

Erich hat den Bundesvorstand und Bundesausschuss der ASJ mit seinen Beiträgen, Anträgen und Mahnungen immer bereichert. Er war so voller Ideen und Anregungen wie seine Aktentaschen voller Papier, die er zu den Sitzungen mitbrachte und Spekulationen darüber auslöste, wie er sie wohl tragen könne.

In den letzten Jahren war es etwas ruhiger um ihn geworden, denn er kümmerte sich in aufopferungsvoller Fürsorge um seine schwer erkrankte Frau. Als Ehrenvorsitzenden haben wir ihn leider schon einige Zeit nicht mehr in unseren Vorstandssitzungen begrüßen können. Aber es konnte durchaus sein, dass man ihn plötzlich am Telefon hatte und er dann ohne Umschweife fragte: Hast Du schon gehört? Was sagt eigentlich die ASJ zu ...? Ihr müsst da dringend mal was machen! Ich schicke Dir da mal ein Papier. Kennst Du die neue Rechtsprechung zu ... Das kann doch nicht wahr sein ...

Jetzt ist leider etwas anderes wahr: Erich ist von uns gegangen. Wir trauern mit seiner Familie, aber wir trauern auch miteinander, denn mit ihm ist ein Urgestein sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen gegangen, einer von uns, der uns und unsere Arbeit ohne Übertreibung mehrere Jahrzehnte geprägt hat. Für die Älteren unter uns stand er in seiner Zeit neben den großen politischen Köpfen unserer Partei, nicht ganz so öffentlich, aber eben einer von denen, die mit uns und für uns die Rechtspolitik machten. So haben wir die ASJ kennengelernt.

Wir haben einen Freund verloren und werden sein Andenken nicht nur in Ehren bewahren, sondern immer wieder daran denken, wie klar, konsequent und rücksichtslos gegen sich selbst er unsere Ziele vertreten hat. Insofern wird er uns Maßstab und Mahnung bleiben, auch wenn er jetzt nicht mehr mal kurz anrufen kann.


Harald Baumann-Hasske
Bundesvorsitzender der ASJ

 
 

 


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